fachliche Infos für von Trennung betroffene Eltern

Aktive Elternrolle, wie schaffe ich das?

Die dauerhafte Ehe als klassische Form des Zusammenlebens hat in unserer Zeit viele Alternativen gefunden. Es ist mit dieser Entwicklung aber auch verbunden, dass Familien und ihre alternativen Ableger schnell wieder zerbrechen.

Oft sitzt der Schmerz durch Trennung von Kind und Partner tief und mancher weiß neben all den Herausforderungen, die sich plötzlich stellen, gar nicht wie er sich verhalten soll oder was er tun kann.

Bevor unnötig Porzellan zerbrochen wird, können die folgenden Seiten einige Hilfen zum Umgang im Falle der Trennung sein. Der Väteraufbruch für Kinder e.V. ist Deutschlands größte Interessenvertretung von Vätern und zunehmend auch getrennten Müttern mit dem Ziel einer gleichwerigen Elternrolle auch nach einer Trennung. Bundesweit hat der VafK mehr als 4000 Mitglieder, über 100 lokale Kontaktstellen und Kreisvereine. Wir verstehen uns als Verein für gemeinsame Elternschaft auch nach einer Trennung, der aus den Bedürfnissen von Vätern für ihre Kinder gegründet wurde. Allgemein besteht in unserer Gesellschaft ein umfangreiches Beratungs- und Hilfeangebot für Mütter. Väter werden nur unzulänglich in solche Angebote integriert.

Wir leisten das!

„Das schaffe ich schon allein“
sind nach unserer Erfahrung typische Sätze gerade von Männern und mitunter die erste Fehleinschätzung. Selbst wenn die mentalen Ressourcen reichen sollten, so ist man doch ohne eine entsprechende Übung den Fallstricken der deutschen Familienrechtspraxis hoffnungslos ausgeliefert.

Aber, wer kann helfen?

Ein Rechtsanwalt
Doch das ist oft ein Irrglaube. Wenn es um das Scheidungsrecht, oder klare materielle Ansprüche geht, stimmt das zwar auch nicht immer, aber doch häufig. Wenn es aber um Kinder, also etwa die elterliche Sorge oder ein Umgangsrecht geht, lehren uns die Erfahrungen äußerste Vorsicht.
Mehr, als wir das je geahnt hätten, berichtet eine große Zahl betroffener Eltern, dass sie von ihrer Anwältin oder von ihrem Anwalt schwer enttäuscht sind. „Der hat ja gar nichts gesagt in der mündlichen Verhandlung “, „der hat immer etwas anderes geschrieben, als ich gewollt habe“, „der hat mich massiv zu einem Vergleich gedrängt“, „wenn ich mehr Engagement wollte, dann hat er mich abgehalten, weil wir doch keine Chance hätten und machen müssten, was der Richter vorschlägt“.

Das sind natürlich nur Beispiele, und wir kennen die Einzelfälle dahinter nicht. Es sind auch mitnichten alle Anwälte so, aber vor einem Risiko müssen wir doch warnen. Wir wollen hinterher nicht hören, „warum hat mir das vorher keiner gesagt“.


Prozessvertretung
Während Unterhaltsverfahren inzwischen immer eine anwaltliche Vertretung vorsehen, kann sich jeder in so genannten isolierten Familiensachen zum Umgangsrecht oder zur elterlichen Sorge selber vertreten. Unabhängig, ob sich ein Elternteil selber vertritt, einen Beistand hinzuzieht oder sich anderer Hilfe bedient, die Entscheidungen und die Verantwortung zum Vorgehen bleiben bei dem Elternteil. Allerdings wird das vom Beistand Vorgetragene vor Gericht so bewertet, als hätte man es selbst vorgetragen. Wer mit dem Ergebnis einer Verhandlung nicht zufrieden ist, muss während der Verhandlung widersprechen.


Das Jugendamt
Vorsicht ist auch hier ein wichtiger Ratgeber. Wir kennen nicht alle Jugendämter, können wir auch gar nicht. Wir wissen auch von Jugendämtern, die wirklich engagiert Kinderrechte und Elternpflichten im Fokus haben und bereit sind, auch einmal einer Mutter klar die Meinung zu sagen. Wenn wir aber die Berichte aus dem Kreis unser Mitglieder hören, können wir den Gang zum Jugendamt, jedenfalls für einen Vater, eher nicht empfehlen, jedenfalls nicht ohne Warnung. Das ist wie mit einem wirksamen Medikament, da muss man auch den Beipackzettel lesen, um die Nebenwirkungen zu kennen.

In einer Onlineumfrage melden über 60% der Teilnehmer, dass durch das Jugendamt erheblicher Schaden angerichtet worden sei, während nur unter 13 % angeben, dass sie mit dem Jugendamt gute Erfahrungen gesammelt hätten (deutschland-stimmt-ab.de). Nach den Berichten unserer Mitglieder ist dort zunächst einmal häufig eine überproportionale Frauenquote anzutreffen und entsprechend auch eine geschlechtersympathische Beratung und Hilfe. „Nun lassen Sie die Mutter doch erst einmal in Ruhe“, “das Streiten macht die Sache doch nur schlimmer“ wird uns gegenüber oft zitiert.

Erwachsene Scheidungskinder berichten hingegen später oft, dass sie ein größeres Engagement vom Jugendamt oder Gericht gewünscht hätten, um den Kontakt zu beiden Eltern zu erhalten. Häufig realisieren erwachsene Scheidungskinder ihre Wünsche, aber längst nicht alle trauen sich den Kontakt zu knüpfen.

Es gibt auch einen Sonderproblem „sexueller Missbrauch“. Leider deuten die Berichte unserer Mitglieder darauf hin, dass dieser Vorwurf häufig frei erfunden erhoben wird. Sicher gibt es sexuellen Missbrauch auch durch die leiblichen Eltern, aber aus diesem Kreis stammen in den allermeisten Fällen eben gerade nicht die Täter. Onkel, Tanten, Stiefeltern und nahe Freunde stellen nach vielen seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen den größten Anteil an Tätern, nicht die leiblichen Eltern. Daher liegt es geradezu auf der Hand, dass der Vorwurf als taktisches Mittel eingesetzt wird, also frei erfunden ist. Das scheint in letzter Zeit auch vermehrt für den Gewaltvorwurf zuzutreffen.
Statistisch kann ein Vater nur ganz selten damit rechnen, dass ihm das Jugendamt bei einem solchen Vorwurf zur Seite steht. Das sollte man wissen, bevor man dort mit seinem Anliegen auftritt!

Selbsthilfegruppen
Solche gibt es. Der bundesweit tätige Väteraufbruch für Kinder hat viele regional tätige Gruppen, die Selbsthilfe und auch Einzelfallberatung anbieten. Sowohl auf Bundesebene wie auch in vielen einzelnen Regionen gibt es eine Hotline, die auch schnelle Hilfe bieten kann. Der direkte Austausch mit anderen Eltern, die Vergleichbares erlebt haben, wird fast immer als sehr hilfreich und aufbauend beschrieben. Man hat nicht mehr das Gefühl, allein zu sein, wenn man andere Eltern trifft, die verstehen können was einem bewegt

Ich selbst
Das ist auch eine richtige Erkenntnis. Natürlich braucht jeder Betroffene Rat und Bestärkung, aber dass er am Ende die Entscheidung nur selbst treffen kann, ist sicher richtig.

Dokumentation
Sehr empfehlenswert ist es, alles in einem Tagebuch aufzuschreiben. Es wird später helfen, konkrete Tatsachen in die Erinnerung zu rufen.
Allerdings muss auch die andere Wahrheit angesprochen werden. Das betroffene Kind will in den allermeisten Fällen dieses Tagebuch später, als Erwachsener, nicht(!) lesen, es möchte nämlich gar nicht aufgeklärt werden, welcher Elternteil damals ihm geschadet hat. Erwachsene konstruieren sich ihre eigene Wahrheit, die meistens losgelöst vom elterlichen Trennungskonflikt gebildet wird.

Mediation
Es macht sicherlich immer wieder Sinn den Weg der Mediation zu gehen.
Ein Wermutstropfen sei aber schon hier an dieser Stelle erlaubt: Oft erwarten die Eltern von der Mediation, dass der neutrale Mittler gerade nur der anderen Seite endlich einmal klar macht, was richtig oder falsch ist. Dann wird die Mediation natürlich scheitern. Also einerseits kein Wunder erwarten und andererseits eigene Beweglichkeit einbringen und Befindlichkeiten zurücknehmen. Häufig ist eine pragmatische Herangehensweise die richtige. Zunächst wieder ins Gespräch kommen, um beispielsweise die Übergaben fürs Kind wieder gemeinschaftlicher zu gestalten, als längere Sitzungen über die Schuldfrage abzuhalten.
Mediation wird von den Jugendämtern angeboten und anderen öffentlichen und privaten Einrichtungen, auch verschiedene Vereine sind kompetent und bieten Mediationsangebote an. Wer die Mediation befürwortet, dürfte Bonuspunkte sammeln können, wer sie verweigert Maluspunkte.

Umgangsformen
Nicht nur im richtigen Leben, sondern gerade auch bei Konflikten, wird sich ein gepflegter Umgangston immer positiv auswirken, wenn damit nicht auch gleich der wesentliche Teil der Sachargumentation geopfert wird.
Wer kommunikationskompetent ist, also zuhören kann und in der Lage ist, seine eigenen Ansprüche sachlich darzustellen, und - das ist wichtig - auch begründen kann, wird leichter ernst genommen.

Unsere Kinder
sind das Wichtigste, stimmt! Kein Kind sollte ohne Vater aufwachsen. Erwachsen werden sie uns fragen, warum wir nichts gemacht haben, und dann dürfen wir nicht ohne Antwort dastehen. Wir sind überzeugt, dass es oft gut ist, sich zurückzunehmen, aber das darf niemals auf dem Rücken unserer Kinder geschehen. Wir machen vieles mit, aber allein lassen wir unsere Kinder nicht.

Und wenn die Kinder uns beschimpfen, den Umgang ablehnen und uns dämonisieren, dann sagen die das nur, meinen tun sie es nicht. Wir sollten dann unsere Kinder zwar ernst wie immer nehmen, aber entschieden sagen wir ihnen: „Keine Sorge mein Kind, auch wenn Du mich jetzt beschimpfst, ich liebe dich und stehe zu dir, versprochen!“

Nach oben