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Freitag, 07. März 2014 Dietmar Nikolai Webel

„Meine Ex nagelt mich an die Wand“ von Catherine Herriger

In unserer Gesellschaft ist es nach wie vor ein Tabu, anzuerkennen, dass auch Frauen unglaublich aggressiv und sehr kreativ im Erfinden von Schikanen sein können.

Catherine Herriger nimmt sich mit ihrem Buch „Meine Ex nagelt mich an die Wand“ diesem Tabuthema an. Es ist ein Buch über weibliche Rachsucht über gezielt böswilliges Verhalten und Vorgehen von Frauen. Von Müttern, die sich nicht scheuen, sich über die gemeinsamen Kinder an ihrem Ex zu rächen.


Ich bitte Sie um eine kurze Vorstellung Ihrer Person.

Ich bin Diplompsychologin, Coach und Beziehungstherapeutin, von meiner ersten Studienrichtung her auch Kinderpsychologin und Erziehungsberaterin. Seit dem 1. Dezember 13 bin ich ganze vierzig Jahre mit demselben Mann zusammen, wir haben zwei Söhne, (vorläufig) zwei Enkel, zwei Hunde und eine Katze. Wir wohnen mitten in der Stadt Bern, wo ich auch meine Praxis habe.  

Am 17. März erschein Ihr Buch mit dem Titel „Meine Ex nagelt mich an die Wand. Wenn Frauen sich rächen". Wovon handelt das Buch?

Hauptsächlich von Frauen und Mütter, die sich auf einem Rachefeldzug befinden. Frauen, die nach einer Trennung/Scheidung ihren Ex nicht nur finanziell ausbluten möchten, sondern auch noch das gemeinsame Kind gegen ihn aufhetzen bzw. versuchen, die Bindung zum Vater zu untergraben. Von Frauen, die zu Täterinnen werden, dabei ausserordentlich kreativ sind im Erfinden von Schikanen und Gemeinheiten. In meinem Sachbuch lasse ich verschiedene Trennungsväter zu Wort kommen, die auf berührende Weise ihr Schicksal und das ihrer Kinder schildern. Und auch ihr Unverständnis und ihre Wut darüber, wie die Ex schlichtweg vor nichts zurückschreckt, um ihn, den Vater, buchstäblich auszubooten. Die tatsächlichen Opfer aber sind die Kinder. Vor Jahren schon habe ich diesbezüglich eine 'Fürsorge-Charta für ein Trennungskind" verfasst, das beide Elternteile an die Bedürfnisse und Rechte ihres Kindes erinnern soll. Diese Charta ist für mich das eigentliche Kernstück meines Buches, zusammen mit den Merklisten für Mütter wie für Väter, die in Scheidung leben.    

Warum ist Frauengewalt immer noch ein Tabuthema – sind denn Frauen die besseren Menschen?

Nein, wir Frauen sind keine besseren Menschen. Aber uns 'schützt' nach wie vor der praktisch unangreifbare Müttermythos und das weit verbreitete Rollencliché der schwachen, sensiblen Frau versus dem starken, aggressiven Mann. Somit fehlen sachdienliche Informationen und damit Präventionsmassnahmen gerade in Bezug auf weiblich-häuslicher Gewaltausübung, geschweige denn vom Gesetzgeber her rechtzeiige therapeutische Auflagen wie frauenspezifische Anti-Aggressions-Trainings ... Als Folge bleiben Täterinnen, sei deren Gewaltausübung nun physischer oder psychischer Natur, in der öffentlichen Wahrnehmung Einzelfälle. Alleine in der Schweiz belegt die Statistik, dass jedes vierte Opfer von häuslicher Gewalt männlich ist. Und dabei geht man von einer hohen Dunkelziffer aus ... Von den Kindern, die in diesen brutalen Sog reingeraten, ist kaum je die Rede.  

Was ist Frauengewalt oder wie lässt sich weibliche Gewalt beschreiben?

Da Frauen körperlich im Allgemeinen schwächer sind als Männer, konzentriert sich deren Gewaltausübung eher auf den emotionalen Bereich. Frauen können wahre Meisterinnen sein im Verumglimpfen, Demütigen, Intrigieren, Verhetzen, usw. Was keinesfalls bedeutet, dass sie nicht in der Lage sind, Männer auch physisch zu attackieren, mit Gegenständen zu werfen, zuzuschlagen, Fingernägel und Zähne einzusetzen. Gemäss meinen Recherchen gibt es da nichts, was es nicht gibt.    


Es gibt zahlreiche Frauenschutzhäuser von der öffentlichen Hand finanziert, aber nur zwei privat finanzierte Männerhäuser, sind Männer weniger schutzbedürftig?

Keineswegs! Diesem Bereich widme ich ein ganzes Kapitel in meinem Buch, samt Fallbeispielen. Es war mir ausgesprochen wichtig, festzuhalten, wie sehr Männer in einem für sie schädlichen Rollenkorsett gefangen sind und dadurch umso leichter in eine Opferrolle rutschen. Männer haben da ein echtes Imageproblem. Sie geben nur ungern zu, dass sie von ihren Frauen geschlagen, betrogen, im eigenen Heim ausgeschlossen, tagtäglich gedemütigt und vor den gemeinsamen Kindern zum Zahlvater und Hanswurst degradiert werden. Männer, die solche Begebenheiten ihren Peergroups erzählen, werden meist belächelt und kaum ernst genommen. Ein echter Mann lässt sich doch nicht von seiner Alten rumkommandieren und schon gar nicht verkloppen! Wie unglaublich rufschädigend, wenn er erst noch in ein Männerhaus flüchten würde ... Welche Auswirkungen hätte das zudem auf seine Karriere? Da fallen Männer "lieber" in Depressionen und Burnouts. DAS ist im beruflichen Umfeld und im Kollegenkreis durchaus akzeptabel, während die wahren, sie eventuell rundum diskriminierenden Ursachen geheim bleiben. Die Forderungen für Männerhäuser werden sich solange in engen Grenzen halten, als misshandelte Männer davor zurückschrecken, sich zu outen.          

Welche gesellschaftspolitischen Forderungen hätten Sie zum Thema?

1. Gezielte Aufklärung und Kampagnen zum Thema häusliche Gewalt, welche von Frauen und Müttern ausgeübt wird. Zudem Meldepflicht.
2. Offenlegen von Studien und Statistiken, die deutlich belegen, dass Männer und Väter wesentlich häufiger in der Opferrolle sind, als allgemein angenommen wird.
3. Hilfsangebote (juristisch, finanziell, therapeutisch) für Männer/Väter, die Opfer häuslicher Gewalt wurden und für deren Kinder. 
4. Von der öffentlichen Hand finanzierte Männerhäuser - da allmählich erkannt werden muss, dass nicht nur der familiale, sondern auch der wirtschaftliche Schaden gross ist, sollten misshandelte Männer keine sachdienlich wirksame Unterstützung erhalten. 
5. Mehr Teilzeitjobs - spezifisch für Trennungsväter, damit sie ihren väterlichen Pflichten und Rechten nachkommen können.
6. Dasselbe in aller Deutlichkeit auch für Trennungsmütter, damit sie ihren Anteil am Unterhalt beisteuern können/müssen und die Väter nicht an den Rand des Existenzminimums geraten.     

Welche Reaktionen erwarten Sie auf Ihr Buch, wenn es mit dem Tabu der Frauengewalt bricht?

Noch ist das Buch nicht auf dem Markt. Ich lasse mich überraschen und bin auf alles gefasst, denn schliesslich ist die Thematik ausgesprochen unschön und teilweise kontrovers. Aber bereits während meinen Recherchen, den zahlreichen Interviews und aufgezeichneten Fallgeschichten erlebte ich eine Vielzahl durchaus positiver Reaktionen, sowohl von Männern wie überraschenderweise auch von Frauen. Die meisten waren im Sinne von: 'endlich kommt das mal deutlich zur Sprache' oder: 'ich habe das ganz ähnlich erlebt' oder: 'ich kenne jemand, der ....' Und: 'zum Glück erscheint das Buch in einem renommierten Verlag und kann so wegen seiner Thematik nicht einfach ignoriert werden'.

Catherine Herriger
MEINE EX NAGELT MICH AN DIE WAND
Wenn Frauen sich rächen
Originalausgabe
ISBN: 978-3-442-17425-6
€ 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 13,50 (UVP)
Goldmann Taschenbuch
ET: 17.03.2014