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Freitag, 21. September 2018 Hessenstiftung

Für mehr Zeit mit Kindern

Flexible Arbeitsmodelle und atmenden Lebensläufen sollen die Spannung zwischen Kindeswohl und Arbeitswelt abbauen.

Vier Tage nach dem Weltkindertag diskutierten rund hundert Erwachsene im Haus am Dom in Frankfurt über „Kinderbetreuung im Spannungsfeld von Arbeitswelt und Kindeswohl“. Die Veranstalter der Fachtagung machten das Spannungsfeld im Auseinanderklaffen von Wunsch und Wirklichkeit aus. Kinder wünschen sich freie Zeit zum Spielen, Lernen und Spaß haben mit ihren Eltern. Die gesuchte gemeinsame Familienzeit unterstützt sie beim Heranwachsen und tut allen gut. Eltern wünschen, dass ihre Kinder gut versorgt sind, gute Bildung erhalten und der Start ins Erwachsenenleben gelingt. Sie arbeiten, um den Lebensstandard die soziale Teilhabe für alle zu sichern. Die gesellschaftliche Wirklichkeit geht in eine andere Richtung, die wenig Zeit lässt. Längst leben Familien mit einem Elternteil nur von einem Einkommen, das nur sehr knapp ausreicht oder beide Elternteile müssen arbeiten, um die Familie ernähren zu können. Parallel müssen Kinder außerfamiliär betreut werden.

Die Kindheitsforscherin Katharina Gerarts von der evangelischen Hochschule Darmstadt plädierte in ihrem Vortrag dafür, bei der Debatte um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch die Perspektiven der Kinder und Jugendlichen selber einzubeziehen. Sie skizzierte drei Elemente, die Kinder in der außerfamiliären Betreuung brauchen: verlässliche und stabile Beziehungen, altersgemäße Freiräume und Möglichkeiten zur Mitbestimmung. Gerarts betonte: "Grundlage ist aber für alle Kinder eine sichere Beziehung zu ihren Eltern oder anderen Sorgeberechtigten. Dafür brauchen Familien gemeinsame qualitätsvolle Zeit, die mit flexiblen Arbeits- und Betreuungsmodellen ermöglicht werden muss."

Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung beschrieb im zweiten Vortrag, wie die Eltern kleiner Kinder sich oft in der Rushhour des Lebens befinden. Um die Spannung von Arbeitswelt und Kindeswohl zu lösen, müsse neben eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung ein familienfreundlicher Arbeitsmarkt treten. Bujard sagte: „Warum sollen sich Eltern oft einseitig an die Arbeitszeitwünsche und tradierte Karrieremuster der Betriebe anpassen und nicht umgekehrt die Betriebe auch an die Bedürfnisse von Familien mit Kindern? Immer mehr Väter wünschen sich Vollzeit light zu arbeiten. Viele Mütter möchten in qualifizierten Teilzeitstellen arbeiten, während die Kinder noch klein sind, und später Richtung Vollzeit. Es bedarf atmender Lebensläufe und neuer Karrieremuster für Eltern."

An welchen Punkten die „atmenden Lebensläufe“ Realität werden könnten, diskutierten die Teilnehmenden in Workshops zu den Themen Haushaltsnahe Dienstleistungen, erweiterte flexible Betreuungszeiten, Arbeitszeitkonten, familienbewusste Unternehmenskultur und Nachmittagsbetreuung. 

Dem Thema schulische Nachmittagsbetreuung stellten sich im abschließenden „politischen Blitzlicht“ auch die Landtagsabgeordneten Dr. Ralf-Norbert Bartelt (CDU), Marcus Bocklet (Bündnis 90/Die Grünen), Gerhard Merz (SPD), René Rock (FDP) und Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (Die Linke). Mit der Weitergabe der aufgeworfenen Fragen und Forderungen an die künftig im Bund politisch Verantwortlichen setzten die Veranstalter dramaturgisch den Schlusspunkt unter die Tagung.