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Donnerstag, 14. März 2019 Verband berufstätiger Mütter e.V.

Verband berufstätiger Mütter zur diskutierten Unterhaltsreform

Mutter kümmert sich, Vater zahlt – dieses Modell war bei Trennungskindern lang die gängige Praxis. Aber die Zeiten haben sich gewandelt: Viele Väter verbringen auch nach der Trennung viel Zeit mit ihren Kindern, stellen sich zum Teil auch beruflich darauf ein, unter der Woche für ihre Kinder da sein zu können, und halten in ihrer Wohnung für sie sogar ein eigenes Kinderzimmer bereit. „Zu Recht hat Familienministerin Franziska Giffey daher eine Reform des Unterhaltsrechts gefordert, das den unterschiedlichen Betreuungssituationen Rechnung trägt“, so die Reaktion von Cornelia Spachtholz, Vorsitzende des Verbandes berufstätiger Mütter e.V. (VBM), auf Giffeys Vorstoß. Wenn sich Mutter und Vater Betreuung und Versorgung zumindest zu einem gewissen Anteil teilen, sollte nicht nur deshalb einer der beiden den vollen Unterhaltssatz zahlen müssen, weil das Kind offiziell nicht bei ihm gemeldet ist. „Eine Änderung des Unterhaltsrechts kann zudem motivieren, dass sich beide Eltern, meist der Vater, nach der Trennung auch in der Betreuung engagieren wollen“, ist Spachtholz überzeugt.

Das Kindeswohl steht dabei für den VBM an erster Stelle. „Ausreichend Zeit mit jedem Elternteil verbringen zu können, ist im Normalfall für alle Kinder und besonders für Trennungskinder wichtig“, so die Vorstandsvorsitzende, die diese Situation aus eigener Erfahrung kennt. Giffeys Vorschlag habe darüber hinaus das Potential, dass Mütter im Job flexibler werden und Familie und Beruf besser kombinieren können. Übernimmt der Vater mehr Verantwortung in der Betreuung, kann die Mutter unter Umständen ihre Arbeitszeit erweitern oder anders verteilen. Alleinerziehende sind schließlich von Armut besonders bedroht. Doch durch eine bessere Betreuung der Kinder durch die Väter bietet sich den Müttern eine Chance auf finanzielle Eigenständigkeit, nicht zuletzt auch im Hinblick auf ihre Rente. Dass Frauen bei der Rente besonders benachteiligt sind, darauf macht der VBM seit einigen Jahren mit dem Equal Pension Day aufmerksam. Mit diesem Aktionstag will der VBM Frauen dafür sensibilisieren, dass sie bei ihren Entscheidungen rund um die Aufteilung von Familie und Beruf im Blick haben, auch im Alter finanziell unabhängig zu bleiben.

Die vorgeschlagene Reform sei aber nur ein Baustein auf dem langen Weg zu „Equal Care“, ist sich Spachtholz bewusst: „Es braucht noch viele weitere Maßnahmen, um Fehlanreize der Aufgabenverteilung in Familie, Haushalt und Beruf im Lebensverlauf zu eliminieren. Als Feministin, die für konsistente gleichstellungsorientierte und zeitgemäße Familienpolitik steht, kann ich den Vorstoß von Ministerin Franziska Giffey dennoch nur unterstützen“.

Über den VBM

Der Verband berufstätiger Mütter e.V. (VBM) setzt sich seit 1990 überparteilich, gemeinnützig und ehrenamtlich für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf - f0ür Frauen und Männer in der Lebensverlaufsperspektive - als Lobby berufstätiger Mütter und solcher, die es (wieder) werden möchten, ein.

Unsere Expertise, Erfahrung und Sichtweise bringen wir in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten, Gremien und Kooperationen ein, sowie in unseren Veröffentlichungen und in Interviews.

Wir haben in 2014 den Equal Pension Day ins Leben gerufen, um die klaffende Rentenlücke zwischen Frauen und Männern auf Grundlage der Studie des Bundesfamilienministeriums aus 2011 zu thematisieren.

Auch als Mitglied des Deutschen Frauenrates setzen wir uns für die Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frauen und Männern ein und aus unserem Blickwinkel insbesondere für die Gleichberechtigung von Müttern und Vätern und dies als Lobby berufstätiger Mütter. Unser Engagement erstreckt sich in den Themenfeldern Familien- und Rollenbilder, Betreuung und Bildung, Recht und Steuern sowie Arbeitswelt und Karriere.

Mehr Informationen zu unseren Zielen unter: vbm-online.de/der-verband/unsere-ziele-deine-lobby/