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Freitag, 10. Mai 2019 Bundesvorstand

Offener Brief an die EDEKA-Geschäftsleitung

Ziemlich ungläubig, letztlich sogar entsetzt hat der Bundesvorstand des Väteraufbruch für Kinder e.V. und auch sehr viele unserer rund 4.000 Mitglieder Ihren Werbespot(t) zum Muttertag wahrgenommen. Als Antidiskriminierungsverband engagieren wir uns seit über 30 Jahren für ein zeitgemäßes Familienrecht und das Recht aller Kinder auf beide Eltern. Wir empfinden diesen Werbespot(t) als völlig unangemessen, abwertend und im höchsten Maße diskriminierend. Dass ein solcher Spot(t) im Jahre 2019 von einem großen Konzern veröffentlicht wird, macht erst sprachlos und dann wütend.

Hier stellt sich zwangsläufig die Frage, welches Bild von Familien der EDEKA-Konzern hat. Bereits 2012 wurde, ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Agentur Jung von Matt Ihr Werbespot(t) mit dem „idiotensicheren Entrecote“ gebracht – zwei kleine Mädchen fragen den EDEKA-Mitarbeiter nach einem möglichst einfachen Gericht – und der Idiot ist auch dort der Vater.

Der aktuelle Spot(t) stellt Väter jetzt als völlig unfähig im Umgang mit Kindern dar, als Personen, die Kindern nur schlimmes zufügen und die, von außen betrachtet, möglichst von Kindern ferngehalten werden sollten.

Das alles aus dem Mund von Kindern gesprochen.

Ihnen scheint nicht bewusst zu sein, dass Väter ein fester Bestandteil der kindlichen Identität sind. Wenn ein Elternteil abgewertet wird, wird damit automatisch auch eine Hälfte des Kindes abgewertet. In strittigen Trennungsfällen würde man ein solches Verhalten als emotionalen und psychischen Kindesmissbrauch bezeichnen.

Nichts anderes haben Sie mit ihrem Spot(t) hier getan: für Ihre Werbebotschaft instrumentalisieren Sie Kinder, indem ein geliebter Elternteil abgewertet wird.

Jedes dieser Kinder wird aus dem Dreh ein Bild von Vätern mit nach Hause genommen haben. Jedes Kind, dass diesen Spot(t) sieht und seinen Vater liebt, vielleicht sogar mit getrennten Eltern aufwächst, bekommt ein Bild von Vätern vermittelt, welches ihre Väter liebende Kinder verletzt.

Gedacht war dieser Spot(t) vermutlich, um Müttern für ihre Leistungen zu danken. Der Gedanke ist gut, nur glauben Sie tatsächlich, dass Kinder ihren Müttern lediglich durch Abwertung ihrer Väter danken können? Leisten Mütter für Kinder nicht deutlich mehr? Glauben Sie nicht, dass Kinder, denen Sie in Ihrem Spot(t) die Worte in den Mund gelegt haben, nicht viel eher schöne, positive Dinge über ihre Mütter zu berichten hätten, für die sie dankbar sind?

Wir finden: Mütter haben deutlich mehr verdient, als diesen den Vater der gemeinsamen Kinder entwertenden Spot(t).

Überhaupt stellt sich die Frage, wie Ihr Unternehmen die Familie und insbesondere die Väter 2019 sieht. Sind es nicht immer mehr Eltern, die gemeinsam die Verantwortung für Beruf und Familie übernehmen? Sind es nicht immer mehr Väter, die auch beruflich zurückstecken, um auch den Müttern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen? Sind es nicht immer mehr Väter, die seit Jahrzehnten beweisen, dass sie auch „Kind können“ und die Kinder nachweislich von diesem gemeinsamen Engagement von Mutter und Vater profitieren?

Vielleicht wäre es einmal an der Zeit, dass Ihr Unternehmen und auch Ihre Werbeagentur ihr Bild von Familien und insbesondere von Vätern einmal überdenkt. Wir können Ihnen gerne Einblicke in die tatsächliche Welt von Vätern und deren Kindern geben.

Gegen solche abwertenden und diskriminierenden Darstellungen von Vätern werden wir uns allerdings weiterhin entschieden zur Wehr setzen. Auch Väter sind Menschen. Menschen mit Rechten, Würde, Gefühlen und Verantwortungsgefühl und Liebe für ihre Kinder. Als solche sollten sie auch von Ihrem Konzern zukünftig behandelt und respektiert werden.

Wir fordern Sie auf, dringend ihr Familienbild zu überdenken und zukünftig von abwertenden Äußerungen über Elternteile aus dem Mund von Kindern eindeutig Abstand zu nehmen.

Hochachtungsvoll

 

Der Bundesvorstands des 
Väteraufbruch für Kinder e.V.