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Donnerstag, 21. Mai 2020 Dipl.-Päd. Uli Severin

Zum Vatertag 2020 eine groteske Geschlechterdebatte

Wer in den letzten Wochen die Diskussion um die Auswirkungen der Coronavirus-Krise und des damit verbundenen Kontaktverbotes auf das Familienleben verfolgt erlebt – aus Vätersicht – eine geradezu groteske Geschlechterdebatte.

Frauenorganisationen, Wissenschaftlerinnen und nicht zuletzt die Familienministerin beklagen, dass die Betreuung und das Homeschooling der Kinder zu Hause vor allem die Mütter in ihrer Berufstätigkeit einschränke und sie persönlich oft sehr belaste. Die Rede ist von einem rollback in den Geschlechterbeziehungen – Mutter am Herd und bei den Kindern, Vater draußen im harten Erwerbsleben.

Aus der Sicht des Väteraufbruchs für Kinder e.V. wirkt diese Diskussion deshalb scheinheilig und grotesk da er seit mehr als 30 Jahren für eine gleichberechtigte Elternschaft auf Augenhöhe kämpft. Nach wie vor haben Kinder nicht verheirateter Eltern das Problem, dass sie nur eine sorgeberechtigte Mutter haben und der Vater sein Sorgerecht erst per Antrag beim Familiengericht erstreiten muss, wenn es ihm die Mutter nicht in einer Sorgeerklärung gewährt. Nur ihre Unterhaltspflicht gegenüber Kind und Mutter gilt von Anfang an.

Darüber hinaus müssen Kinder bei Trennung und Scheidung bei hochstrittigen Eltern oft langjährige familienrechtliche Auseinandersetzungen erleben und sie verlieren dabei oft genug einen Elternteil, meist ihren Vater. Dies auf dem Hintergrund eines kontradiktorischen Familienrechtes, dass Mutter gegen Vater und Vater gegen Mutter hetzt.

Väter, die bereit sind ihrer Sorgepflicht nachzukommen und ihre Kinder gerne in Doppelresidenz / im Wechselmodell betreuen möchten, sind ebenfalls auf die Bereitschaft der Mutter angewiesen. Dabei bietet die Doppelresidenz nicht nur beiden Eltern bessere Möglichkeiten der beruflichen Entwicklung, so bietet vor allem den Kindern ausreichend gute Alltagsbeziehungen zu Vater und Mutter.

Was bleibt zu tun: Nutzen wir die widersprüchliche, groteske Debatte um die Geschlechterverhältnisse mit unserer Forderung: Allen Kindern beide Eltern! Kooperative Elternschaft mit engagierten, aktiven Vätern für uns und unsere Kinder und wir feiern unsere Vätersolidarität und unsere weitsichtige Geschlechterpolitik – für uns und unsere Kinder!