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Donnerstag, 21. Mai 2020 Pressemitteilung Bundesforum Männer

Väterpolitische Perspektiven zum Vatertag 2020

An Christi Himmelfahrt wird traditionell der Vatertag begangen. Doch durch die Corona-Pandemie ist in diesem Jahr vieles anders als gewohnt. Das Familienleben hat sich drastisch verändert. Das betrifft Mütter, Kinder und Väter.

„Der Vatertag ist gerade jetzt in der Corona-Krise ein guter Anlass für Väter, um über die eigene Rolle in der Familie nachzudenken.“, so Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforum Männer – Interessenverband für Jungen, Männer & Väter e. V. „Insbesondere für Väter mit kleinen Kindern wird jetzt schmerzhaft spürbar, wie wichtig eine verlässliche Absicherung für das Wohlergehen der Kleinen ist, gerade wenn durch Kurzarbeit und geschlossene Kitas der finanzielle und psychische Druck in Familien steigt. Die Politik darf Väter und Familien mit ihren Sorgen nicht allein lassen.“, sagt Schölper weiter.  Nicht nur für viele Mütter, auch für viele Väter führt die gegenwärtige Situation zu Belastungen, Schwierigkeiten und Ängsten.

In der Corona-Krise wird die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zur besonderen Herausforderung. Männer nehmen in Familien noch immer in der Regel die Hauptverdienerrolle ein. Frauen hingegen verdienen weniger, arbeiten eher in Teilzeit und tragen die Hauptverantwortung für die familiale Sorgearbeit. Durch den teilweisen Shutdown, die Kontaktbeschränkungen und Kinder, die zuhause von den Eltern betreut und beschult werden müssen, wird eine Retraditionalisierung bestärkt. Je länger Kitas und Schulen geschlossen bleiben oder nur im Notbetrieb laufen, desto mehr steigt der Druck auf die Eltern: Einerseits auf Frauen und Mütter, beruflich zurückzustecken und sich vornehmlich um Kinder und Haushalt zu kümmern. Andererseits auf Männer, die finanziellen Erfordernisse der Familien zu sichern und ihren gerechten Anteil an der Sorge- und Hausarbeit zu übernehmen, auch um damit ihre Partnerinnen zu entlasten. Soweit  Fragen existenzieller Not nicht alles überlagern, kann die Corona-Krise für Väter aber auch eine Chance sein für mehr Partnerschaftlichkeit, eine neue Balance von Sorge-, Haus- und Erwerbsarbeit und für mehr gelebte Väterlichkeit durch unmittelbare Teilhabe am Leben der Kinder.

Die gegenwärtige Situation erfordert Maßnahmen, die auch jenseits der Corona-Krise bereits wichtig waren, jetzt aber umso dringlicher sind. Vereinbarkeit ist auch ein Väterthema. Dem müssen sich Politik und Unternehmen endlich stellen. Die Ausweitung von Partnermonaten beim Elterngeld muss dringend angepackt werden. Viele frauenpolitische Forderungen, wie die Schließung des Gender Pay Gap und des Gender Care Gap, sind für das Bundesforum Männer keine Gegensätze zu einer gleichstellungsorientierten Männerpolitik, sondern auch für Männer wichtige Forderungen. Denn erst, wenn Frauen wie Männer gleichermaßen erwerbstätig sein können, Verdienstmöglichkeiten nicht mehr auseinanderklaffen und flächendeckend ausreichende und bezahlbare Kinderbetreuungsmöglichkeiten vorhanden sind, gibt es für beide eine echte Wahl- und Gestaltungsfreiheit, wie sie ihr Leben oder ihre Partnerschaft führen möchten.

Insgesamt muss in und nach der Corona-Zeit dem Thema Care mehr Bedeutung zugemessen und eine Neu- und Umverteilung der privat geleisteten Care-Arbeit stärker in den Blick genommen werden.  Dies erfordert gute Rahmenbedingungen, nicht nur eine paritätischere Aufteilung beim Elterngeld sondern auch eine neue Zeitpolitik für Familien, damit Chancen und Risiken zwischen Müttern und Vätern gleichmäßiger verteilt werden können.

Mit der Corona-Krise zeigt sich einmal mehr die Systemrelevanz von Care-Arbeit: Als gesellschaftliche Notwendigkeit, mit- und füreinander Sorge zu tragen, aber auch in ihrer ökonomischen Dimension als private wie erwerbsförmig erbrachte Sorge- und Pflegearbeit. Zugleich zeigt sich, dass Sorge auch ein zentrales Thema der Veränderung von Männern und Männlichkeitsbildern ist. Das Bundesforum Männer setzt sich dafür ein, dass das Leitmotiv von „Caring Masculinities“ verstärkt in die gleichstellungspolitische Diskussionen um den Wandel von Geschlechterverhältnissen eingeht, auch nach Corona. Denn: Gleichstellung ist kein Luxus nur für gute Zeiten.