Offener Brief an Sozialministerin Köpping (Sachsen)

Sehr geehrte Frau Köpping, sehr geehrter Herr Hilbert,

die Coronazeit lässt uns schon eine ganze Weile Unmögliches möglich machen. Aber sie bringt uns und vor allem Familien mit Kindern immer mehr in Bedrängnis. Aus Videokonferenzen und individuellen Rückmeldungen, Beratungen und Austausch mit anderen Fachkräften nehmen wir eine Zuspitzung der Situation wahr. Väter beschreiben, dass sie dünnhäutiger geworden sind, schneller frustriert reagieren. Familien versuchen die Kinderbetreuung, das Homeschooling und das Homoffice in Schichten zu bewerkstelligen. Am Abend fallen sie nur noch ins Bett und müssen sich für den nächsten Tag wappnen! Die Situation für Allein- und Getrennterziehende ist von noch weniger Ressourcen bei der Kinderbetreuung gekennzeichnet, aber auch Paare/Eltern, die sich gerade in der Coronazeit trennen („wollen“), haben kaum adäquate Unterstützungsangebote. Viele, vor allem niedrigschwellige soziale Angebote sind noch immer geschlossen. Darunter leiden nicht nur die Eltern selbst, sondern vor allem die Kinder! Ein Trennungsvater berichtete uns, dass seine Tochter jeden Tag auf dem Bett sitzt und weint, weil sie ihre Freunde und Freundinnen in der Kita nicht mehr sehen kann. Für uns ist diese Situation kaum fassbar, für Kinder noch viel weniger!

Wir versuchen die Familien und Väter in dieser Notsituation vielfältig zu unterstützen und vor allem Mut zu machen, die Coronazeit mit den Kindern und der Familie zu meistern. Aber auch wir kommen an die Grenzen, die die Coronaauflagen mit sich bringen.

Wir möchten Sie bitten und auffordern, Familien noch stärker in den Mittelpunkt der Krisenbewältigung durch Corona zu rücken und sie deutlich mehr zu unterstützen. Da, wo finanzielle Hilfen notwendig sind, diese ähnlich unkompliziert wie bei den Selbständigen zu gewähren. Aber vor allem schnell eine Perspektive zur Kinderbetreuung und Beschulung der Kinder zu entwickeln und zeitnah diese den Eltern mitzuteilen. Dabei ist es wichtig, dass alle Familien zeitnah eine zeitweise Betreuung ihrer Kinder erhalten können. Eine Perspektive „nach den Sommerferien“, ist keine wirkliche Perspektive!

Wir möchten Sie ebenfalls darum bitten und auffordern zu prüfen, in wieweit eine Lockerung der Coronaauflagen möglich ist, um Kleinstgruppen in der Kinderbetreuung und im Homeschooling von 3 bis 5 Kindern auch in Eigeninitiative zu ermöglichen, solange die Kitas und Horte dies noch nicht für alle Eltern leisten können!

Außerdem benötigen Kinder Platz und Raum zum Toben und Spielen. Die Spielplätze sind gesperrt und die Stadt ist dicht bebaut. Bitte prüfen Sie, unter welchen Bedingungen Spielplätze und Spielgelegenheiten schon jetzt wieder zugänglich gemacht werden können und ob temporäre Spielstraßen den Bedarf an Spiel- und Freiräumen für Kinder in der Coronazeit abdecken können. Da der Straßenverkehr aktuell sowieso geringer im Aufkommen ist, könnte dies zur Entspannung beitragen.

Gerne stehen wir für einen Austausch zu weiteren kreativen und entlastenden Ideen zur Verfügung! Besonders Familien brauchen Sie und Ihre Unterstützung in dieser schwierigen Zeit!

Mit freundlichen Grüßen

Holger Strenz
Papaseiten.de 
im Väterzentrum Dresden e.V.